Newsletter Juli 2016

Hier finden Sie die kompletten Beiträge des Newsletters vom 12. Juli 2016.
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Newsletter 6 / 2016

12. Juli 2016

Liebe Leserinnen,

am 28. Juni 2016 wurde das Bundesteilhabegesetz von der Bundesregierung auf den Weg gebracht (https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/06/2016-06-28-bundesteilhabegesetz.html). Es wird nun dem Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt, die erste Lesung im Bundestag ist nach der „Sommerpause“ geplant. Das neue Bundesteilhabegesetz enthält zwar eine Reihe von Verbesserungen der Situation der Menschen mit Behinderungen, viele davon spielen aber für Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung keine Rolle. Deshalb haben einige Behindertenverbände bereits Aktionen gestartet, um die nach wie vor bestehenden Schwachstellen des Gesetzes anzusprechen und Nachbesserungen für Menschen mit einer geistigen Behinderung zu erreichen (ein Beispiel ist eine Petition der Lebenshilfe – siehe unten). Andere Verbände nutzen die „Sommerpause“, um mit politischen Aktionen auf ihre Kritik aufmerksam zu machen. Anthropoi Selbsthilfe wird dies auch tun – geplant ist ein Anschreiben an die Mitglieder des Bundestags-Ausschusses für Arbeit und Soziales, in dem der Gesetzentwurf beraten wird. Darin soll unsere Kritik anhand von Beispielen verdeutlicht werden. Dieses Schreiben werden wir veröffentlichen und Sie können es dann auch an Ihre lokalen Bundestagsabgeordneten schicken oder es als Muster für eigene Schreiben verwenden. Damit möchten wir dazu beitragen, noch in dieser Legislaturperiode zu einem guten Teilhabegesetz zu kommen, welches die Teilhabe und Selbstbestimmung unserer Angehörigen mit Assistenzbedarf wirklich verbessert. Also beachten Sie bitte unseren nächsten Newsletter Anfang August besonders.

Ihre Newsletter-Redaktion
Volker Hauburger und Alfred Leuthold

 

INHALT

  • Neues aus der Selbsthilfe
  • Neues aus Politik und Gesellschaft
  • PUNKT UND KREIS „LiebesLeben“
  • Termine
  • Lust auf mehr …

 

Neues aus der Selbsthilfe

Gelungene Anthropoi Jahrestagung

Plenum bei der Anthropoi Jahrestagung 2016Eine vielfältige und spannende Anthropoi Jahrestagung liegt hinter uns. In Kassel kamen vom 9. bis 11. Juni 2016 gut über 200 Menschen zusammen – Eltern, Angehörige, Menschen mit Assistenzbedarf und MitarbeiterInnen aus den Einrichtungen des anthroposophischen Sozialwesens in ganz Deutschland. Die gemeinsame Tagung von Anthropoi Selbsthilfe und Anthropoi Bundesverband stand unter dem Thema “Ich auch! Inklusionskultur”. In Referaten von Professor Uwe Becker, Annette Pichler, Professor Bernd Ahrbeck und Thomas van Elsen wurden verschiedene Aspekte von Inklusion benannt, vom Lernen, Wohnen, Arbeiten bis zu Landwirtschaft und Kultur.

In fast zwanzig Arbeitsgruppen konnten die TeilnehmerInnen sich intensiv im Gespräch austauschen oder unter Anleitung eines enthusiastischen Bruno Gerber Papierflieger bauen – ein wahrer inklusiver Workshop! Bei Tanz, Chorsingen, Eurythmie, Beschäftigung mit der “Theorie U” und anderem mehr wurde kreativ am Thema gearbeitet. Einen kritischen Spiegel über die Tagung hielt uns am Ende der Künstler Matthias Schenk vor in seiner “Ernterunde”. Nicht vergessen werden dürfen die vielen Begegnungen und Gespräche in den Pausen; die Tagung ist eine hervorragende Gelegenheit, Freunde und Bekannte zu treffen und neue Menschen kennenzulernen.

Am Freitagabend wurde der Kulturpreis der Stiftung Lauenstein vergeben, der erste Preis ging an das Naturatelier Frickingen (http://naturatelier.de). Auch die Mitgliederversammlungen der beiden Vereine fanden im Rahmen der Jahrestagung statt, Anthropoi Bundesverband wählte dabei seinen Vorstand. Bei Anthropoi Selbsthilfe fanden die Ausführungen von Hilmar von der Recke zum Entwurf des Bundesteilhabegesetzes reges Interesse. “Es macht allgemein Spaß, ja doch” sagte Klaus, ein Teilnehmer mit Assistenzbedarf.

 

Neues aus Politik und Gesellschaft

Informationen zum Bundesteilhabegesetz

Bundeskanzleramt in Berlin mit ProtestschildEine neue extra Rubrik auf unserer Website haben wir für Sie eingerichtet, wo wir Informationen zum Thema „Bundesteilhabegesetz“ (BTHG) zusammengetragen haben. Es erfolgt eine regelmäßige Aktualisierung.

https://anthropoi-selbsthilfe.de/service/bundesteilhabegesetz/

#TeilhabeStattAusgrenzung

Gerne verweisen wir auf eine Petition der Lebenshilfe zum Bundesteilhabegesetz, die bereits gestartet wurde:

www.change.org/p/teilhabe-statt-ausgrenzung-von-menschen-mit-geistiger-Behinderung

Und noch eine schlechte Nachricht aus Berlin

Das Bundeskabinett hat am 28.06.2016 neben dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) auch das 3. Pflegestärkungsgesetz (PSG III) beschlossen.

Enthielt der Entwurf für das BTHG neben einigen guten Ansätzen viele neue Regelungen, die weit hinter den Erwartungen und Forderungen der Menschen mit einer Behinderung und ihrer Verbände geblieben sind, enthält auch das PSG III einige Enttäuschungen. So soll im häuslichen Bereich Leistungen der Pflegeversicherung und Hilfen zur Pflege nach dem Sozialgesetzbuch XII vorrangig sein vor Leistungen der (neuen) Eingliederungshilfe. Dabei verkennt der Gesetzesentwurf, dass die mit der Eingliederungshilfe bezweckte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft wesensverschieden ist zu dem was Pflege nach dem Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI) oder der Hilfe zur Pflege nach SGB XII bezwecken bzw. leisten können. In vielen Bereichen einer möglichen Teilhabe am Leben in der Gesellschaft würde so zukünftig keine Unterstützung mehr erfolgen.

Zusätzlich bringt der Entwurf eine weitere deutliche Schlechterstellung für Menschen mit Behinderungen, die in ambulant betreuten Wohngemeinschaften leben, für die das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz Anwendung findet. Weisen diese Menschen neben der Behinderung auch eine Pflegebedürftigkeit ab der neuen Stufe 2 auf, sollen sie, wie bisher pflegebedürftige Menschen mit Behinderung, die in stationären Einrichtungen leben, zukünftig nur noch bis zu 266 Euro statt bis zu 1.612 Euro aus der Pflegeversicherung erhalten. Wird diese Neuregelung Gesetz, kann dies für viele pflegebedürftige Menschen das Ende des eigenen Zuhauses bedeuten. Für beide Gruppen fordern wir die gleichen Leistungen, wie sie für alle anderen pflegebedürftigen Menschen nach dem Pflegeversicherungsgesetz erbracht werden.

Reform des Sexualstrafrechts

„Es wirkt jetzt sogar strafverschärfend, wenn ein Täter die Situation ausnutzt, dass eine Person krankheits- oder behinderungsbedingt keinen Willen bilden oder äußern kann. Damit wird eine seit langem kritisierte Ungleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen aufgehoben.“ teilte Verena Bentele, die Bundesbehindertenbeauftragte in einer Pressemitteilung mit.

http://www.behindertenbeauftragte.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/PM18_Sexualstrafrecht.html;jsessionid=A78653F9F9ED4AD79CF7B8DC689C9F17.2_cid330

 

PUNKT UND KREIS …

… Johanni „LiebesLeben“

Titelseite PUNKT UND KREIS Johanni 2016Wenn es um Lust und Liebe geht, schlägt unsere Seele schnell ein Zauber in seinen Bann, der sich gar nicht so leicht beschreiben lässt. Liebe, Sexualität und Partnerschaft sind die Schwerpunkte der Johanni-Ausgabe der PUNKT UND KREIS.

Die Stimmen zweier Leserinnen, Mütter von erwachsenen Söhnen:

„Dieses Heft zeigt: Endlich ist das Thema „Liebe und Partnerschaft“ auch bei uns ganz angekommen. Vor 20 Jahren wurden Menschen mit Hilfebedarf noch peinlich davon ausgeschlossen. JEDER hat ein Recht auf zärtliche Berührung und alles, was das Menschsein ganz macht. Gelungene Beiträge!“

„Das Heft finde ich außerordentlich gut gelungen! Die klare Sprache und die deutliche Benennung aller Aspekte von Partnerschaft und Liebesleben verdienen große Anerkennung. Besonders haben mich die beiden Fotos auf der Titelseite und im Innern des Heftes berührt.“

Gerne können Sie weitere Hefte zur Weitergabe bei uns bestellen! Kostenfrei, Spende erwünscht.
Oder Sie geben bequem den Link zum Download der pdf-Datei des Heftes weiter:
http://www.verband-anthro.de/media/file/4000.PuK_44_Johanni_2016_LiebesLeben.pdf

Termine

Region Süd / Baden-Württemberg

7. Oktober 2016
Gemeinsamer Fachtag von Angehörigen und Mitarbeitern
Näheres folgt. Bitte Termin vormerken.

Regionaltagung Anthropoi Selbsthilfe Nord

8. Oktober 2016
Ort: Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Franziskus, Hamburg
Termin bitte vormerken

Lust auf mehr…

Korrigierte deutsche Übersetzung der UN-BRK in Österreich

Bisher gab es eine einheitliche amtliche deutschsprachige Übersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Übersetzung wurde bekanntermaßen vielseitig kritisiert, u.a. weil dort der englische Begriff „inclusion“ mit „Integration“ übersetzt worden war. Nun hat Österreich im Alleingang eine korrigierte Fassung veröffentlicht. Auch das sogenannte Fakultativprotokoll wurde korrigiert.
Den Text finden Sie auf unserer Website: https://anthropoi-selbsthilfe.de/zeitthemen/veroeffentlichungen-un-konvention/

Hilfsfonds für ehemalige Heimkinder in Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien

Nach langem Ringen soll es einen neuen Hilfsfonds für zehntausende Menschen geben, die als Kinder in Behindertenheimen oder in der Psychiatrie Leid erlitten haben.

Info auf N24: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/8688272/zweiter-heimkinderfonds-kommt.html

Pressemeldung des Deutscher Behindertenrat: http://deutscher-behindertenrat.de/ID183917

“Wir in der Schule – Chronische Erkrankungen und Behinderungen im Schulalltag – Informationen aus der Selbsthilfe”

Die Broschüre zum Thema Schüler*innen mit Behinderungen und ihre diagnosespezifischen Unterstützungsbedarfe in der Schule ist nun erschienen, herausgegeben von der BAG Selbsthilfe. 58 verschiedenen Diagnosen werden beschrieben und mit Hinweisen für Lehrkräfte versehen.

Die Broschüre steht zum Download bereit (pdf, 6,6 MB)
oder kann in gedruckter Form bestellt werden bei BAG SELBSTHILFE, Harald Gawenda, Tel.: 0211-31006-0 oder 0211-31006-41, E-Mail: harald.gawenda@bag-selbsthilfe.de

Neu gestaltete Website des bvkm

Der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm) hat seine Website kürzlich neu gestaltet. Deshalb bitte nicht wundern, wenn früher veröffentlichte Links auf Unterseiten nicht mehr funktionieren.
www.bvkm.de

Olympia anders

 1 – Special Olympics
Im Juni 2016 trugen fast 5.000 AthletInnen in Hannover die Wettbewerbe der deutschen Special Olympics aus. Bericht dazu unter http://specialolympics.de/.
Die nächsten Welt-Winterspiele der-Special Olympics finden vom 14. bis 25. März 2017 in Österreich statt: http://www.austria2017.org/de/.

2 – Paralympics
Seit 2004 gibt die DGUV zusammen mit dem Verlag Der Tagesspiegel die Paralympics Zeitung heraus. Langjähriger Partner des Projekts ist der Deutsche Behindertensportverband. Erstmals wird die Paralympics Zeitung 2016 auch von einem Social Media Team begleitet. Ein bunter Mix aus Unterhaltung und Information stimmt ein auf die Paralympics in Rio: www.dguv.de/pz.

 

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Im Auftrag des Vorstandes von Anthropoi Selbsthilfe: Alfred Leuthold

Herausgegeben von der Beratungs- und Geschäftsstelle der
Bundesvereinigung Selbsthilfe im anthroposophischen Sozialwesen e.V.
Argentinische Allee 25    |   14163 Berlin
Tel. 030 / 80 10 85 18     |   Fax 030 / 80 10 85 21
E-Mail: info [at] anthropoi-selbsthilfe.de
http://anthropoi.de   |   https://anthropoi-selbsthilfe.de

Fotos: Alfred Leuthold; Maria Hößle-Stix

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Spendenkonto bei Bank für Sozialwirtschaft Berlin, BIC: BFSW DE33 BER
IBAN:  DE88 1002 0500 0003 2472 00